Kirche & Kloster

www.kirche-rehna.de
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Im Herzen Rehnas liegt die weithin sichtbare Klosterkirche und die gut erhalte Klosteranlage mit deren Bau bereits im 13. Jahrhundert begonnen wurde. Nach Kloster Dobbertin ist Rehna die größte in Mecklenburg Vorpommern erhaltene Klosteranlage.

 

Nachdem die Kirche zunächst als romanische Ortskirche um etwa 1200 herum entstanden war, stammt die Gründungsurkunde für das Nonnenkloster der heiligen Maria und der heiligen Elisabeth von 1236. Obwohl das Kloster ausgehend vom Prämonstratenserkloster Ratzeburg gegründet wurde, gilt zunächst die Ordensregel des heiligen Benedikt aber schon vor 1319 erfolgt dann doch der Übergang zu den Prämonstratensern. Bei der Gründung wirkte eine gewisser Frater Ernestus mit, der wohl aus Ratezburg kam aber außer im Zusammenhang mit der Klostergründung in Rehna keine weitere Erwähnung findet. 

 

Der Bau der Klostergebäude ging offensichtlich zunächst schleppend voran. Wahrscheinlich darf man erst ab 1250 mit einem besseren Baufortschritt rechnen. Die umfangreichen Bauten waren wohl im wesentlichen bis etwa 1400 abgeschlossen. Lediglich der sogenannte "Kapitelsaal", das Gästerefektorium wurde erst um 1425 fertiggestellt und die Umbauten an der Kirche waren wahrscheinlich erst gegen Mitte des 15. Jh. abgeschlossen. Das Kirchenschiff der ursprünlich romanische Kirche wurde deutlich erhöht, um einen zweijochigen Chor erweitert und auf der Nordseite der Kirche entstanden Seitenkapellen. Auch der Turm wurde entsprechend erhöht. Er zeigt im unteren Bereich noch vollständig die ursprünglich romanische Formensprache, besonders schön zu sehen an dem bedeutenden romanischen Westportal.  Obwohl das Kloster nach der Reformation bereits 1552 säkularisiert wurde, sind weite Teile des Klosterkomplexes erhalten geblieben: die Klosterkirche, drei Flügel des Kreuzganges sowie das Lange Haus, 1997 gelungen zum Sitz der Amtsverwaltung saniert. Zwischen Langem Haus und Kreuzgang befindet sich der bedeutendste Raum, das um 1425 fertiggestellte Gästerefektorium (im 19. Jh fälschlich als Kapitelsaal bezeichnet) mit Kreuzrippengewölben, achtseitigen Säulen, kostbaren Wandkonsolen mit halbfigürlichen Darstellungen und wappentragenden Gewölbeschlusssteinen.

 

Die umfangreichen Gebäude des Klostern vermitteln einen Eindruck von der Bedeutung des Klosters, dessen Blütezeit  zwischen 1400 und 1500 erreicht war. Adlige Familien aus dem Umland aber auch wohlhabende Lübecker Bürger stifteten dem Kloster umfangreiche Ländereien und häufig waren Töchter aus diesen Familien Nonnen im Kloster, mitunter auch Priorinnen. 

 

Nach der Säkularisierung sind Teile der Gebäude zerfallen, andere Teile wurden über die Jahrhunderte verschiedenen Nutzungen zugeführt. Seit 1998 engagiert sich der Klosterverein Rehna e.V. für den Erhalt und die zeitgemäße Nutzung der Klosteranlage.

 

Die Höfe des Klosters

Von der ehemaligen Klosteranlage sind neben der Kirche noch Teile des Kreuzgangs und im Langen Haus, dem heutigen Sitz der Amtsverwaltung von Rehna, das Gästerefektorium mit hochgotischen Wandmalereien, sowie der Gerichtssaal erhalten. Diese Anlagen können zu Öffnungszeiten des Klosters besichtigt werden. Die Gebäude bilden dabei im Außenraum verschiedene stimmungsvolle Höfe.

 

Den Kirchplatz an der Klosterkirche überstellen alte Linden und machen ihn mit den angrenzenden schönen Fachwerkhäusern zu einem erhabenen Begrüßungsort. In den umliegenden Gebäuden haben sich ein kleiner Handwerksbetrieb, ein Laden und ein Café angesiedelt. In Zusammenarbeit mit dem Klosterverein errichten Kinder und Jugendliche auf dem Kirchplatz wechselnde Kunstprojekte, die für die Vielfalt in der Welt sprechen. Zusammen mit einer bunt-fröhlichen Frühlingsblüte aus Tulpen und Narzissen auf dem mit Pusteblumen besprenkelten Rasen regen die Skulpturen zu Kreativität und Gedankenfreiheit an.

 

In einem gemütlichen, rosenumrankten Fachwerkhaus findet sich die Kloster- und Stadtinformation. Gleich gegenüber öffnet sich der vom Kreuzgang und Gästerefektorium umschlossene Nonnengarten. Hier finden von Mai bis September schöne Konzerte und Theater in beschaulicher Atmosphäre statt. Zum Martensmannfest im November lädt die gesamte Altstadt rund um das Kloster ein und feiert den guten in Lübeck zur Flaschenreife gebrachten französischen Bordeaux, den einst der Bote zu Martini an den Schweriner Hof brachte. Beim wiederbelebten Brauch wird der Wein heute dem gewählten Bürgermeister der Landeshauptstadt oder der Städte Schönberg und Rehna übergeben, um anschließend von den Festgästen und Bewohnern probiert zu werden. Auch das alle zwei Jahre im Juni stattfindende Klosterfest ist ein Höhepunkt im städtischen Leben Rehnas. Klänge, Schmaus und Kunsthandwerk des farbenfrohen Markttreibens lassen dabei das Mittelalter auferstehen.

 

Der dritte Hof, der Probsteihof, öffnet sich in Richtung Park am Mühlenteich und ist von der Stadtseite über die Tordurchfahrt am Langen Haus zu erreichen. Eine alte Linde überspannt schattenspendend den Hof. In seiner Mitte sprudelt einer der sechs in Rehna zu findenden artesischen Brunnen in einem neu errichteten Brunnenbecken. Das Wasser sprudelt hier mit 8°C aus 75 Metern Tiefe. Seit mindestens 150 Jahren versorgen artesische Brunnen die Stadt Rehna mit Wasser. Bevor 1971 die öffentliche Wasserversorgung gelegt wurde, gab es in jedem Stadtteil einen solchen Brunnen. Frühere Bohrungen gingen dabei nur bis zur ersten artesischen Wasserschicht in 25 Metern Tiefe. Voraussetzung für das Sprudeln ist so genanntes „gespanntes Grundwasser“, welches entsteht, wenn eine wasserführende Schicht durch eine wasserundurchlässige nach oben abgedichtet wird und die geologische Struktur gleichzeitig den Aufbau von hydrostatischem Druck ermöglicht. Beim Anbohren des Grundwassers steigt dann das Grundwasser in die Höhe und sprudelt unter Druck an die Erdoberfläche. Durch das Prinzip der kommunizierenden Röhren sind artesische Brunnen nur in Landschaftssenken möglich, denn das Wasser kann maximal nur so hoch sprudeln, wie der Grundwasserspiegel der Umgebung ohne den Gesteinsdruck steht. Der alte, zur Klosterzeit im Probsteihof befindliche Feldsteinbrunnen war noch ein normaler Ziehbrunnen, der bis auf das Wasserniveau der Radegast ging und nicht durch den Grundwasserdruck der artesischen Schichten sprudelte.

 

Text mit freundlicher Genehmigung von:

© gartenrouten zwischen den meeren*, Arge Schlie & Werner, 2006-2013